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Community

Wissenschaft lebt vom Austausch
Für eine erfolgreiche Promotion ist es wichtig, Kontakte zu anderen Forschenden und Promovierenden aufzubauen und aktiv zu pflegen. Netzwerke helfen dabei, Wissen zu teilen, Feedback zu erhalten und gemeinsame Projekte anzustoßen.

Warum sind Netzwerke wichtig? 

Wie baue ich ein Netzwerk auf?  

 Community-Bereich der Plattform
In dieser Kategorie können Sie sich mit anderen Interessierten, Promovierenden sowie betreuenden Professor*innen austauschen. Der Community-Bereich dient als geschützter Raum um Fragen zu stellen, Erfahrungen zu teilen und Kontakt zu knüpfen, sowohl innerhalb als auch außerhalb der eigenen Hochschule/Universität.

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Erfahrungsberichte von Interessierten

 

Welches Studium haben Sie absolviert und wo?
Welcher Weg hat Sie zur Promotion geführt? 
Welche Promotionsform haben Sie gewählt (Unipromotion, kooperative Promotion, etc.) und warum?
Ich habe meinen Bachelor an der Glasgow University und an den Master an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gemacht, beides in der Disziplin Midwifery.
Nach langen Jahren in der Praxis bin ich im Rahmen der Akademisierung des Hebammenberufs an die Jade Hochschule in Oldenburg gelangt und habe Interesse am vertieften wissenschaftlichen Arbeiten gewonnen.
Hinsichtlich meines Forschungsprojekt bin ich proaktiv auf meine Doktormutter an der MHH zugegangen.

Woran forschen Sie aktuell?
Was reizt Sie an dem Thema besonders? In welcher Phase der Promotion befinden Sie sich derzeit?
Im Mittelpunkt stehen die Übersetzung und Validierung einer Skala, die die Grundhaltung von Schwangeren hinsichtlich der Geburt misst. Gerade habe ich mit der Diskussion begonnen.
Das Thema ist relevant, da wir sehr wenig darüber wissen, wie Schwangere eine Geburt wahrnehmen. Ist diese eher etwas Natürliches oder etwas Medizinisches?  Wenn dies bekannt ist, kann eine frau-zentrierte Beratung stattfinden und sich positiv auf die Zufriedenheit der Frauen auswirken.

Welche positiven Erfahrungen haben Sie gemacht?
Gab/gibt es besondere Herausforderungen, Rückschläge oder schwierige Phasen?
Wie war/ist Ihr Umgang damit?

Positive Erfahrungen:
Die Befragung an sich wurde von den Schwangeren sehr gut angenommen. Ich habe viele Bögen zurückbekommen. Zudem habe ich Peers, also andere Doktorand*innen kennen gelernt, mit denen ich regelmäßig in Kontakt stehe. Der Austausch war bereichernd und so ist das Gefühl entstanden, nicht allein zu sein. Diese Unterstützung ist sehr wichtig.

Die größte Schwierigkeit war neben naheliegenden Problemen wie umfangreichere Berechnungen die immer wiederkehrenden Zweifel, ob man sich nicht doch selbst überschätzt hat und das Zeug für diesen Schritt hat.

Wie haben Sie Ihre Promotion finanziert (z. B. Stipendium, Anstellung, Eigenfinanzierung)?
Was haben Sie zur Qualifizierung während der Promotion gemacht?

Ich habe die Gelegenheit bekommen über das Projekt JadeProf, ein von Bund und Land gefördertes Projekt, gefördert zu werden, sodass ich in meiner Arbeitszeit einerseits promovieren konnte, andererseits aber auch Lehrerfahrung sammeln konnte. Zudem konnte ich problemlos meine studentischen Aufgaben wie die Besuche von Workshops oder auch von Kongressen absolvieren.

Was hilft Ihnen bei Schwierigkeiten?
Haben Sie Strategien/Tipps zur Motivation?

Wichtig ist der Austausch mit „meinen“ Peers, wir treffen uns regelmäßig online. Gespräche mit den Betreuenden liefern ebenfalls wertvollen Input. Darüber hinaus nimmt die Familie eine zentrale Position ein, hier können die vor allem die kleinen Fortschritte geteilt werden.

Möchten Sie nach der Promotion in der Wissenschaft bleiben oder verfolgen Sie andere berufliche Pläne?
Ich bin ja noch nicht ganz am Ende, aber ich würde mich wieder für diesen Weg entscheiden. Es macht Spaß, tief in eine Thematik einzutauchen und über den Tellerrand zu schauen. Zudem möchte ich im akademischen Bereich bleiben, weiter forschen und weiter lehren.

Welchen Ratschlag/welche Worte würden Sie Menschen mitgeben, die überlegen zu promovieren?
Gibt es etwas, das Sie selbst gern früher gewusst hätten?

Es ist wichtig, sich vorab mit den Anforderungen der eigenen Promotionsordnung zu beschäftigen, diese können sehr variieren. Zudem sollte man prüfen, wie man diese Anforderungen erfüllen kann, ob die Universität oder die Hochschule bspw. Workshops anbietet, die belegt werden können. Hier hatte ich sehr viel Glück, gerade über JadeProf wurden viele Veranstaltungen angeboten.

Man sollte für das Thema brennen, dann kann es eine sehr bereichernde Zeit werden. Die Begeisterung kann einen auch durch das ein oder andere Tief tragen. Langmut ist wichtig und man sollte mit Verzögerungen rechnen. Aber es ist ein lohnender Schritt.

 

Welches Studium haben Sie absolviert und wo?
Welcher Weg hat Sie zur Promotion geführt? 
Welche Promotionsform haben Sie gewählt (Unipromotion, kooperative Promotion, etc.) und warum?
BaCs, dann Ma. Ed in Vechta. 

Nach den ersten sehr guten Prüfungsleistungen habe ich immer wieder Tutorien für wissenschaftliches Arbeiten und weitere Unitätigkeiten bzw. Hilfskrafttätigkeiten ausgeführt und war dadurch immer tiefer im Fach involviert. Mit der sehr guten Bachelorarbeit tauchte dann bei meinem (von da aus gesehen) zukünftigen Doktorvater die Frage auf, ob ich mir vorstellen könne, über das Studium hinaus in der Wissenschaft zu bleiben, ob ich es mir konkret vorstellen könne, zu promovieren. Dies war bis dato wirklich eine wachsende Vorstellung für mich. Dabei blieb es dann: Nach dem Ma. Ed. habe ich mit der Anfertigung meiner Dissertation begonnen.

Wie kam es zur Entscheidung für eine Promotion? 
Warum haben Sie sich für die Promotionsform entschieden (Unipromotion, kooperative Promotion, etc.)?

Wie o.g. wurde ich wegen herausragender Leistungen gefragt, ob ich promovieren wolle. Dies war verbunden mit einer Tätigkeit als LfbA, die mir in Aussicht gestellt wurde, weil ein vorheriger Doktorand die Stelle bald verließ. Ich sah es zum einen als akademischen Traum (ich war von Beginn des Studiums an meinem Fachbereich, der Politischen Theorie, äußerst interessiert), zum anderen als Herausforderung, weil ich von anderen Doktoranden auf einer LfbA-Stelle erfuhr, dass diese Stelle, auf der mit nur 50% Vergütung bis zu 6 Seminare pro Semester angeboten werden, fordernd sei. Ich sah es als Herausforderung, die mich motivierte, gepaart mit der Vorstellung, dass ich mich in eine Fragestellung und in einen Bereich der Politischen Theorie 'eingrabe' könne. Das trug wesentlich meine Entscheidung: Die Freude an der Forschung und die Herausforderung. 

In meinem Fachbereich ist es üblich, eine Monographie anzufertigen. Kumulativ kam nicht in Frage, ebenso wenig eine kooperative Promotion. Andere Formen, neben der Anfertigung einer Monographie in Einzelarbeit, kamen für mich nie in Frage. Die Promotionsform stand von vornherein fest. 

Woran forschen Sie aktuell?
Was reizt Sie an dem Thema besonders? In welcher Phase der Promotion befinden Sie sich derzeit? 

Ich forsche im Bereich der Politischen Theorie. Hier geht es zum einen um die Grundlagen des gesamten Fachs, die Prämissen jeder Fachrichtung. Zum anderen zeigen sich hierin Reflexionsmöglichkeiten zum aktuellen Stand von Politik. Man kann also vereinfacht sagen: die Politische Theorie rahmt das Fach der Politikwissenschaft ein, als Voraussetzung und als Maßstab. Dies reizt mich an dem Fachbereich im Allgemeinen. 

Im Speziellen untersuche ich die Übersetzung des Peloponnesischen Kriegs (Thukydides) von Thomas Hobbes. Die insgesamt acht aus dem Altgriechischen ins Englische übersetzten Bücher sind der Ausgangspunkt des Politischen Denkens von Thomas Hobbes. Hobbes gilt als Begründer der modernen Politikwissenschaft, die sich vorher vor allem als rhetorische Wissenschaft verstand. Hobbes führte das naturwissenschaftliche Paradigma in die Politikwissenschaft ein. Bevor er das systematisch tat, übersetzte er Thukydides. Die Frage meiner Dissertation ist, welche Rolle diese Übersetzung für sein Denken gespielt hat, das die Politikwissenschaft als Wissenschaft überhaupt erst etabliert hat. 

Ich bin nun am Ende der Dissertation. Ich schreibe gerade an dem vorletzten großen Kapitel, das letzte wird darauf aufbauen. 

Welche positiven Erfahrungen haben Sie gemacht?
Gab/gibt es besondere Herausforderungen, Rückschläge oder schwierige Phasen?
Wie war/ist Ihr Umgang damit?

Positiv: 

  • Durchhaltevermögen bewiesen trotz vieler Widrigkeiten;
  • der Austausch an der Uni mit Kollegen und Betreuern;
  • Doktorandenkolloquien in Vechta und an anderen Unis/Instituten, die in mehrfacher Hinsicht bereichernd waren und Spaß gemacht haben.

Negativ: 

  • mein Doktorvater ist gestorben;
  • die Zeit, in der ich als LfbA tätig war, war äußerst negativ, da ich bis zu 6 Seminare geben musste, wobei kaum Zeit für Forschung blieb - ich fühlte mich ausgenutzt und hatte kaum Spaß. Das würde ich nie wieder tun. Hinzu kam die schlechte Vergütung (50% - ich hatte durch Nebenjobs während des Studiums so viel Geld, wie ich auf dieser Stelle verdient habe) und die Befristung der Stelle. Alles schien perspektivlos: mit der Dissertation kam ich kaum voran und es war unklar, wie es weitergeht.

Umgang: 
Der plötzliche Tod meines Doktorvaters hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen. Glücklicherweise wurde ich im Fach aufgefangen und kann meine Dissertation ohne große Änderungen zu Ende bringen. Dies sehe ich wirklich als Glücksfall, weil es Zufall ist, dass in unserem Fachbereich beide Professuren einen Schwerpunkt in Politischer Theorie haben. 

Während des Studiums habe ich angefangen, gelegentlich zu meditieren. Das hat mir immer wieder geholfen. 

Ansonsten gehe und ging ich mit Widrigkeiten um, indem ich täglich Sport treibe. Ich treibe Kraft- und Kampfsport, wodurch ich gelernt habe, mit Widrigkeiten und Druck umzugehen. Vor allem habe ich dadurch gelernt, dass es sich lohnt, diszipliniert dabei zu bleiben. 

Wie strukturieren Sie Ihren Arbeitsalltag? Wie haben Sie die Zeiteinteilung geregelt? 
Zu Beginn - während der Zeit als LfbA - hatte ich wenig Struktur in meinem Arbeitsalltag, weil ich jeden Zeitraum nutzen wollte, in dem ich die Möglichkeit hatte, an meiner Dissertation zu arbeiten. Das hat mich zwar ausgebrannt, war aber nötig, weil ich sonst neben den Vorbereitungen der vielen Seminare zu nichts gekommen wäre. 

Seitdem sieht mein Arbeitsalltag so aus: 

Ich beginne in der Regel um 9 Uhr, indem ich Mails checke. Je nachdem, was dadurch anfällt, öffne ich meine Diss zwischen 10 und 13 Uhr und arbeite bis etwa 18 Uhr daran. Mittags gehe ich oft in die Mensa. Gelegentlich arbeite ich länger und/oder beginne früher. Ich würde als 'offene Arbeitsstruktur' bezeichnen: Täglich nehme ich mir netto 8 Stunden Arbeit vor. Zudem arbeite ich oft am Wochenende. 

Wenn Seminare und Prüfungen anfallen, haben diese für mich Vorrang: ich arbeite dann vormittags daran und erst nachmittags an der Diss, manchmal auch nachmittags an den Seminaren und Prüfungen (das sind meist Bachelor- und Masterarbeiten - inzwischen habe ich 50 begutachtet) bis ich damit durch bin. 

Was hilft Ihnen bei Schwierigkeiten?
Haben Sie Strategien/Tipps zur Motivation?

Regelmäßiger Sport, soziale Kontakte (v.a. enge Freunde und Familie), verbindliche Deadlines, Meditation.

Möchten Sie nach der Promotion in der Wissenschaft bleiben oder verfolgen Sie andere berufliche Pläne?
Ich wäre sehr gern in der Wissenschaft geblieben. In meinem Fachbereich gibt es zudem großen Bedarf an Nachwuchs. Aber die Befristung meines Vertrages und vor allem die nur 50%-ige Vergütung stehen nicht im Verhältnis zu meiner Leistung. Durch Kolloquien auch außerhalb Vechtas (z.B. in Warschau und Regensburg) weiß ich, dass ich in dem, was ich mache, gut und engagiert bin. Das lässt sich leider auf Dauer unter den finanziellen Bedingungen nicht tragen (viele 'wissenschaftliche' Verpflichtungen kosten ja selbst Geld - etwa Reisen. Diese werden zwar im Nachhinein teilweise von der Uni bezahlt, aber allein die Vorkasse - etwa eines Fluges - war schon oft eine Hürde für mich, die ich ohne familiäre Hilfe nicht hätte meistern können). 

Daher verlasse ich die Universität im nächsten Jahr und werde Lehrer. 

Welchen Ratschlag/welche Worte würden Sie Menschen mitgeben, die überlegen zu promovieren?
Gibt es etwas, das Sie selbst gern früher gewusst hätten?

Die Herausforderung besteht weniger auf der kognitiven Ebene. Wer es bis zur Promotionsphase geschafft hat, hat schon bewiesen, dass die kognitive Fähigkeit herausragend ist. Die Promotionsphase ist vielmehr eine Herausforderung auf psychischer (1) und sozialer (2), wie ökonomischer (3) Ebene: Man sollte sich klar machen, dass 

(zu 1): die Arbeit viel umfangreicher ist, als alle vorherigen. Die Teile, in die man die Inhalte zerlegt (Kapitel etc.), sind nicht 'mal eben' zu schreiben. Sie erfordern Reflexion und Hingabe. Ich musste mich damit anfinden, dass das, was ich zu Anfang geplant und geschrieben habe, doch nicht so sinnvoll war oder bereits erforscht wurde. Ich musste es also verwerfen (bloß nicht wegwerfen!). Trial and Error ist nicht nur der übliche Weg der Wissenschaft als solche, sondern auch des Forschenden als solchen. Das ist eine Belastung: Man muss die Gedanken stets selbst aktualisieren. Forschung ist ein Prozess, an dessen Ende - zu dem niemand sagen kann, wann dieses ist - die Dissertation angefertigt werden kann. Irgenwann aber ist das, was man via Trial and Error gelernt hat der Brunnen, aus dem man schöpft, um das, was man als Leerstelle im Forschungsbereich erkannt hat, zu füllen. Mein Ratschlag daher: Vergegenwärtigen Sie sich, dass das, was Sie gerade herausfinden, selbst wenn es schon bald verworfen wird, den Brunnen Ihrer Dissertation ausmacht. Ein Brunnen gibt nur genügend Wasser, wenn er tief genug ist. Graben Sie tiefer und tiefer, bis Licht hineinfällt und Sie daraus schöpfen können. Dafür müssen Sie dabeibleiben und ihren Status immer wieder aktualisieren. 

Zu 2:) Forschung dass stille Kämmerlein braucht. Die Metapher hat meiner Erfahrung nach einen wahren, aber auch einen überspitzten Kern: Zum einen bedarf es des Rückzugs, zum Lesen, Schreiben, Vorbereiten von Präsentationen und vor allem zur Reflexion. Man braucht also 'sein' stilles Kämmerlein. Das ist unmittelbar antisozial. Die römischen Humanisten (z.B. Cicero) hatten dafür einen Begriff: 'Otium'. Es bedeutet wörtlich 'Muße' und meint vor allem den Rückzug ins Private, ins stille Kämmerlein, um sich Studien und Reflexionen zu widmen. Demgegenüber steht die Negation: 'negotium'. Es ist die nicht-Muße, d.h. die Geschäftigkeit, sich mit seiner Erfahrung des Otiums in die Öffentlichkeit zu bringen. Dies hatte bei den Humanisten eine politische Absicht (eine Republik ist wörtlich eine res publica: eine öffentliche Sache, und erfordert daher Bürger, die sich öffentlich einbringen). Die Promotionsphase birgt nämlich auch diese Seite.

Es ergibt sich also zum anderen die sozial offene Seite der Promotion, wenn man es nur will: Doktorandenkolloquien, Vorträge, Gespräche und vielleicht auch die Möglichkeit, seine Forschung auf die ein oder andere Art und Weise in Seminare einfließen lassen zu können. Die Promotion bietet in sozialer Hinsicht also beides: sie fordert das stille Kämmerlein ein, ermöglicht aber auch das Seminar, es fordert den Schreibtisch, ermöglicht aber auch den Rednerpult, es fordert 'Sitzfleisch', braucht aber (spätestens zur Disputatio) auch Einstehvermögen. 

Mein Ratschlag ist daher: Schaffen Sie im stillen Kämmerlein die Grundlage für die Öffentlichkeit. Gehen Sie raus, geben Sie Seminare, halten Sie Präsentationen, führen Sie Gespräche zu Ihrem Forschungsgebiet. Nehmen Sie beide Seiten der sozialen Herausforderung an. 

Zu 3:) andere nach dem Studium mit 'regulären' Jobs beginnen und mehr Geld verdienen als Sie. Sie sind in einer Sondersituation, die eigentlich nicht nötig ist: Promovierende könnten auch volle Stellen erhalten, auch voll als wissenschaftliche Mitarbeiter an der Uni arbeiten und dabei promovieren. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter ist Forschung ja geradezu ein Kern der Profession und dient dem Fachbereich, in dem man arbeitet. Die finanziell bedrängliche Situation ist also erst einmal künstlich geschaffen. Wenn Sie sich darauf einlassen wollen, rate ich Ihnen zunächst: machen Sie es direkt nach dem Studium, insofern Sie nicht bereits anderweitig abgesichert sind. So verändert sich die finanzielle Situation kaum und man ist schon darauf eingestellt. Sich zu vergegenwärtigen, dass es eine künstliche Situation ist, hat zudem den Vorteil, dass man darauf aufbauen kann.

Meine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter ist eine 50%-Stelle. Man hat also die Möglichkeit, die restlichen 50% selbstständig einzuholen - wenn man denn will. Ich erachte dies von Zeit zu Zeit als förderlich für die geistige (1) und soziale (2) Befähigung, in Forschung und Lehre zu arbeiten. Sie haben die Möglichkeit, in Projekten mitzuarbeiten, Lehraufträge zu erfüllen und vieles weiteres. Es sind Erfahrungen, die Sie bereichern können. Dies gilt im wörtlichen Sinne: Sie verdienen dadurch etwas hinzu. Zugleich profitieren Sie von der erweiterten Erfahrung. Dies ist nicht immer möglich: nicht immer gibt es passende Lehraufträge oder Projekte an anderen Unis, Instituten etc. und denken Sie daran, dass es auch des Otiums bedarf.

Und dennoch gibt es Möglichkeiten, die man nicht verstreichen lassen sollte und in denen man den Begriff 'Promotionsphase' beim Wort nehmen sollte: es ist ein Zeitabschnitt der Beförderung und es liegt an Ihnen, diese zu gestalten. Mein Ratschlag ist daher: Sorgen Sie sich gelegentlich um 'wissenschaftliche Finanzspritzen'. Sie profitieren nicht nur finanziell davon. Und ein Zusatzratschlag in dieser Hinsicht: Halten Sie Abstand von LfbA-Verträgen während der Promotionsphase.

 

Welches Studium haben Sie absolviert und wo?
Welcher Weg hat Sie zur Promotion geführt?

Ich habe Sozialwissenschaften und Kulturwissenschaften in Vechta studiert.
Für eine Promotion habe ich mich während der Masterarbeit entschlossen, weil ich gemerkt habe, wie viel Spaß mir die wissenschaftliche Arbeit bereitet.

Das Thema meiner Masterarbeit wollte ich anschließend vertiefen und gern umfänglicher im Rahmen einer Dissertation bearbeiten.

Warum haben Sie sich für die Promotionsform entschieden (Unipromotion, kooperative Promotion, etc.)?
Ich habe direkt im Anschluss an den Master mit meiner Promotion an der Universität Vechta begonnen.

Für mich kam die klassische Unipromotion infrage, da die Betreuerin meiner Masterarbeit gleichzeitig auch Betreuerin meiner Dissertation wurde, wodurch bei mir die Suche nach einer Betreuungsperson entfallen ist.

Woran forschen Sie aktuell?
Was reizt Sie an dem Thema besonders?

In welcher Phase der Promotion befinden Sie sich derzeit?    

Im Rahmen meiner Promotion befasse ich mich mit dem ländlichen Raum, speziell mit der Region Ostfriesland. Es geht um eine Potenzialanalyse der Region, um herauszufinden, ob und inwieweit sich der digitale Wandel auf die Lebenschancen von Frauen und Männer anhand der Bereiche Erwerbstätigkeit, Bildung und Familie auswirkt, um so Potenziale für eine mögliche Verbesserung der Chancengleichheit herauszustellen.  

Da ich selbst aus Ostfriesland komme, liegt mir das Thema besonders am Herzen, sowohl aufgrund der Verbundenheit mit der Region als auch wegen ihrer nachgesagten „Besonderheit“. Aktuell befinde ich mich noch im empirischen Teil – die quantitative Untersuchung ist abgeschlossen, nun folgt die qualitative Erhebung in Form von Interviews.

Welche positiven Erfahrungen haben Sie bislang gemacht?
Gab/gibt es Herausforderungen, Rückschläge oder schwierige Phasen?
Wie ist/war Ihr Umgang damit?

Positive Erfahrungen:
Die Möglichkeit, sich vertieft mit einer Thematik, die dem eigenen Interesse entspricht, auseinanderzusetzen und in einem umfangreicheren Rahmen wissenschaftlich arbeiten zu dürfen. Zudem ist der Austausch mit anderen Promovierenden immer hilfreich.  Als größte Schwierigkeit habe ich es bislang empfunden, neben einer Beschäftigung außerhalb der Wissenschaft zu promovieren und in der Woche ausreichend Zeit für die Arbeit an der Dissertation aufwenden zu können. Dazu kommen Selbstzweifel und das „Sich-selbst-im-Weg stehen“.
 
Wie strukturieren Sie Ihren Arbeitsalltag?
Wie haben Sie die Zeiteinteilung geregelt?

Aufgrund meiner beruflichen Beschäftigung außerhalb der Wissenschaft habe ich die Zeit für die Arbeit an meiner Dissertation hauptsächlich auf die Wochenenden, freien Tage und Urlaube gelegt.

Was hilft Ihnen bei Schwierigkeiten?
Haben Sie Strategien/Tipps zur Motivation?

In schwierigen Phasen hilft mir grundsätzlich immer der Austausch, sowohl mit Menschen innerhalb als auch außerhalb der Wissenschaft, sowie Feedback zum aktuellen Stand meiner Arbeit.

Möchten Sie nach der Promotion in der Wissenschaft bleiben oder verfolgen Sie andere berufliche Pläne?  
Mir macht die wissenschaftliche Arbeit großen Spaß und ich würde mich freuen, in Zukunft an weiteren Forschungsprojekten teilhaben zu dürfen.

Welchen Ratschlag/welche Worte würden Sie Menschen mitgeben, die überlegen zu promovieren?
Gibt es etwas, das Sie selbst gern früher gewusst hätten?

Ich würde empfehlen, ein Thema zu wählen, das einen wirklich interessiert. Eine Promotion ist kein kurzer Sprint, sondern vielmehr eine lange Strecke, auf der man sich nicht nur fachlich/wissenschaftlich entwickelt, sondern auch persönlich.  Ich würde außerdem raten, sich ein Umfeld mit Menschen zu schaffen, die Sie ehrlich unterstützen und zu versuchen, für sich eine geeignete Balance zwischen Beruf, Promotion und Privatleben zu finden.

 

Ich bin Nautiker, ich bin Praktiker. Ich habe ein Studium in Wirtschaftswissenschaften abgebrochen, da es mir zu theoretisch war. Stattdessen habe ich mich entschieden, zur See zu fahren, die Welt zu sehen und mir die Finger schmutzig zu machen. Natürlich gehört noch vieles mehr dazu, Physik, Mathematik, internationale Regelwerke, Menschenführung etc. 

Nach meinem Studium in Nautik bin ich als Offizier zur See gefahren und habe diese Mischung aus praktischer und theoretischer Arbeit immer genossen. Das Wachsen der eigenen kleinen Familie hat dann aber den Ausschlag gegeben, den Wechsel für eine geregelte Anstellung an Land zu suchen. Ich bin zu meiner Ausbildungsstätte als Dozent zurückgekehrt um meine Erfahrungen zu teilen. Kontinuierliche Weiterbildung habe ich in dem Kontext als Verantwortung verstanden, die ich meinen Studierenden gegenüber zu erfüllen hatte. Darum habe ich den Master in 'Maritime Operations' angehängt.

Um mir auch noch die Perspektive der Seefahrt von Land aus zu eigen zu machen, habe ich zwei Jahre in einer Reederei gearbeitet. Dabei habe ich aber gemerkt, dass mir die akademische Herausforderung mehr Freude bereitet hat und bin zurück zur Hochschule gewechselt.

Schon beim Schreiben der Bachelor- und Masterarbeit war es mir wichtig, Themen zu finden, die mein Interesse wecken, um die Forschungsthemen sowohl intrinsisch als auch extrinsisch motiviert voranzutreiben.
Als Nautiker zeigte sich der Weg zur Promotion allerdings nicht so einfach. Mein erster Anlauf führte mich nach Norwegen, wo ich auch meinen Masterabschluss gemacht habe. Dort wurde mein Thema - Ausbildungskonzepte im Bereich der ferngesteuerten und autonomen Schifffahrt - sehr interessiert angenommen. Organisatorisch gab es aber Probleme, da ich nicht bereit war, nach Norwegen zu ziehen, um dort eine Vollzeitstelle für die Promotion anzutreten. Stattdessen wollte ich meinen Beruf am maritimen Campus weiter ausführen und mich in meiner Freizeit mit der Promotion beschäftigen. Nach etwa 10 Monaten hin und her stand abschließend fest, dass eine Promotion in Norwegen nicht möglich ist.

International gibt es einige Promotionsprogramme für Nautiker, in Deutschland gab es vor dem ProNaut Programm allerdings keine Möglichkeit, ohne erheblichen Zusatzaufwand, für Nautiker zu promovieren. Zu meinem Glück passte mein Thema gut in den Anspruch des Programms. Allerdings galt es auch in Vechta bei der Anmeldung einige Hürden zu überkommen, von Formalien über Ordnungsänderungen bis hin zu aktiven Bremsern im System. Ich weiß nicht, ob es allgemein zu der Herausforderung der Promotion gehört, aber für mich persönlich hat schon der Prozess, die Arbeit angemeldet zu bekommen, über zwei Jahre in Anspruch genommen. Die Frustration war daher zwischendurch oft groß. Allerdings habe ich das Thema nicht grundlos gewählt. Ich sehe großen Handlungsbedarf bezogen auf die gegenwärtige und zukünftige nautische Ausbildung und sehe die Promotion als Hebel, um eigenständig grundlegende Neuerungen aufgrund fundierter Erkenntnisse einzubringen. In meiner Promotion habe ich bereits die Anforderungen an eine Person, die Schiffe von der Ferne aus überwachsen und steuern soll, beleuchtet. Diese Erkenntnisse müssen noch in ein Curriculum gefasst werden, um einen Ausbildungsbedarf zu zeichnen, welcher zu kompetenten und von der Gesellschaft akzeptierten Seefahrt in einer neuen Generation führt.

Die Freude an der Mischung aus Theorie und Praxis hat mich zur Seefahrt gebracht. Diese Mischung sehe ich auch heute in dem was ich tue zwischen Forschung und Lehre. Ich denke, dass nicht nur Interesse, sondern tatsächliche Freude an einem Thema die Grundvoraussetzung ist, sich jahrelang freiwillig damit zu beschäftigen - besonders bei einer Teilzeitpromotion. Ohne Frust und ohne Rückschläge wird ein solches Vorhaben nicht gelingen, aber mit der entsprechenden Motivation kann man sich auch auf diesem Ozean erfolgreich an sein Ziel manövrieren. Ich persönlich werde mit Freude auch nach meiner Promotion weiter forschen, um Ausbildungskonzepte und Fortbildungen neu zu denken und an die gesellschaftliche und technologische Entwicklung anzupassen.